Regie.......................................... Matthias Horn
   
Spieler........................................ Annika Mauer; Ines Burdow, Carsta Zimmermann, Reiner Gabriel, Dieter Kölsch, Wolf Scheidt, Uwe Schmieder
   
Bühne......................................... Andreas Gratze
Kostüme..................................... Nathalia Haagen
Musik.......................................... Markus Götze
Dramaturgie............................... Natalie Wasserman
Assistenz.................................... Senia Hasicevic
Licht............................................. Henning Streck
Technische Leitung.................. Jens Zaddach
   
Vater, Mutter, Dora. Die Familie - ein Idyll, das auf eine harte Probe gestellt wird. Für ein Kind hat man sich damals entschieden, ja sicher. Aber man konnte schließlich nicht wissen, dass es so eins werden würde. Eins, das schrie und schrie. Eins, das sich tagelang versperrte, nicht sprach und nichts und niemanden an sich heran ließ. Dora, von Geburt eine herbe Enttäuschung für ihre Eltern, war immer anders, als man sie sich wünschte. Deshalb hat man sie jahrelang medikamentös ruhig gestellt.

Auf ausdrücklichen Wunsch der Mutter wird Dora von einem Tag auf den anderen hinter ihrem Vorhang der Lethargie hervorgeholt. Hier setzt die Inszenierung ein. Über Nacht entdeckt Dora ihren Körper und lebt fortan aus, was sie bisher nur passiv aufgesogen hat. Sie schnappt auf und wiederholt – sie zensiert nicht, sondern handelt und will vor allem eines - verstehen lernen. Das jedoch erweist sich in ihrem Umfeld als schier unmöglich. Ihre Fragen, ihr Lernen, all ihre Fortschritte stören zunehmend den alteingespielten Rhythmus der anderen.

Dora entdeckt nicht nur ihre eigene Sexualität, sondern auch die erste Liebe für sich. Eigentlich will sie doch nur selbst eine Familie gründen, doch an ihren Eltern kommt sie nicht vorbei. Der "Sex" ihrer Tochter wächst ihnen gehörig über den Kopf, ihre Schwangerschaft – der reinste Alptraum. Schnell ist man sich einig, was zu tun ist. "Weg ist weg." Der Fall ist erledigt, doch nicht für Dora. Sie lernt - spät zwar, aber alles andere als langsam. Trotzdem muss sie letztlich mit Entscheidungen leben, die andere für sie treffen.

Dora ist der Spiegel, der die Normalität ihrer Umgebung zur Farce werden lässt. In ihrer wissbegierigen Naivität erscheint sie den einen als lang ersehnter, rettender Engel, den anderen wird sie zur Last, die sie auf Dauer nicht zu tragen vermögen.

Auf der Bühne des ORPHTHEATERs wird der Sonderfall Dora zum Präzedenzfall.

Pressestimme
Der bittere, groteske Humor macht die Wirkung des Stückes aus. Grandios ist denn auch der Monolog des Arztes (zart-bestimmt: Uwe Schmieder), der Dora (groß-mimisch: Anika Mauer) die derzeit geltenden Regeln der Sexualmoral bekannt geben möchte: "Niemals in Verboten denken! Niemals: Das darf man nicht, das gehört sich nicht, undsoweiter, und sich deswegen etwas verbieten.
Ulrich Seidler, Berliner Zeitung, 20.03.2004