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Pressestimmen
Das Orph-Ensemble ist wunderschön ausstaffiert. In Lumpen gehüllt
und blutig geschminkt kriechen und hasten die unterprivilegierten Scharen,
die Kakerlaken der Weltgeschichte, heran. Sie finden sich zu Gruppen und
verlieren sich wieder. Der Hunger siegt über die Solidarität.
Geschichtliches Handeln verschwindet im blinden Aktionismus des leeren
Magens. Hoffnung flammt auf und verschwindet. Dem Menschentier gehört
die hoffnungslose Zukunft.
Wiederholt gelingt dem Orphtheater mit "Der Findling" eine Inszenierung,
an der sich die Geister scheiden werden. Mit märchenhafter Wärme
und Überzeugungskraft, aber auch mit Ironie und Sarkasmus, wird Werten
wie Hoffnung, Zukunft und Utopie gedacht.
Das politische und menschliche Engagement, verbunden mit der zugleich
befremdenden wie ergreifenden und eingreifenden Ästhetik, machen
das Orphtheater einzigartig in der Berliner Theaterszene und jede ihrer
Inszenierungen zum Erlebnis.
Mario Stumpfe, Neues Deutschland, 16. 9. 1997
Barlach wird von den sechs Darstellern in eine hohe Form getrieben, in
eine pausenlose Erregung. Die Gruppe der Erdfarbenen mit den blutig roten
Gesichtern versucht die sprachliche Gewalt der Dichtung in choreographisch
komprimierten Bewegungsabläufen einzufangen, in langsamem Schreiten,
Kriechen, im Niederstürzen und Wälzen auf dem Boden. Susanne
Truckenbrodt treibt das Geschehen in hohe Temperaturen, will weg von jeder
braven Wirklichkeit.
Christoph Funke, Tagesspiegel, 8. 9. 1997
Auch hier begegnet der Zuschauer einem schutzlosen Menschen-Haufen, der
mit den hoffnungsvoll erhobenen Köpfen wieder und wieder im Dreck
landet und doch nicht aufgeben will, nicht aufgeben kann. Dem Orphtheater
gelingt eine beeindruckende Übersetzung in die Bildsprache. Die Texte,
chorisch gesprochen, gleichen Monolithen. Die eher befremdliche Mystik
Barlachs teilt sich hier als menschliches Ringen um Leben und Hoffnung
mit.
Michael Freundt, Berliner Zeitung, 4. 8. 1997
Uwe Schmieder irritiert mit der inneren Widersprüchlichkeit des Steinklopfers,
der mit dem neuen Heiland eine bessere Welt predigt und zugleich zum Kannibalismus
verführt. Perfekt ist sein Zusammenspiel mit dem fünfköpfigen
Ensemble.
Kostüme und archaisches Bühnenbild verhindern eine gewaltsame
Aktualisierung des Textes, der als beeindruckendes Werk aus einer fremden
Gedankenwelt zu einem Theaterereignis erster Güte wird.
Christian Schindler, Berliner Morgenpost, 9. 9. 1997
Regisseurin Susanne Truckenbrodt läßt ihr Ensemble mit den
Insignien des Grauens spielen und in einem strengen Mysterienspiel ein
düsteres Bild vom Zustand der Welt malen. Irgendwo zwischen grauer
Vorzeit und apokalyptischer Endzeit liegt die fleischgewordene Hölle,
in der ein Häufchen Elender von Hunger und Angst getrieben wird.
Es sind Figuren, wie Barlach sie nicht besser in Bronze hätte gießen
können.
Die Welt, 10. 9. 1997
Alles ist wie in einem Holzschnitt auf den symbolischen Kern reduziert:
Feierlichkeit wie in einem Oratorium zu Beginn, die Knittelverse, die
der Steinklopfer mit einem Hammer akzentuiert, die abgerissenen Lumpen,
die blutrot geschminkten Gesichter des pantomimisch durchs Land ziehenden
Volkes.
Handelsblatt, 12. 9. 1997
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